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Die Geschichte von Schloss Rheydt


 

Schloss Rheydt nimmt unter den zahlreichen Herrenhäusern und Adelssitzen am Ufer der Niers einen ganz besonderen Platz ein. Der Gebäudekomplex ist die einzige heute vollständig erhaltene Renaissance-Schlossanlage am Niederrhein.

Die Bauforschung datiert die Ursprünge des befestigten Herrenhauses auf das Jahr 1060, die erste überlieferte Erwähnung des Schlosses findet sich in einer Urkunde von 1180. In diesem Schriftstück erwirbt Erzbischof Philip von Heinsberg das Lehnsrecht des Schlosses von den „Herren von Rheydt“.  Das in der Urkunde erwähnte Schloss hatte aber noch keine große Ähnlichkeit mit der heutigen Anlage. Im Zuge der Umbau- und Restaurationsmaßnahmen der letzten Jahre konnten mittlerweile fünf Steinbauphasen in der Geschichte des Schlosses vor dem 16. Jh. nachgewiesen werden, welche vielfache bauliche Veränderungen und Umbauten belegen.

Ein Eindruck davon, wie das Schloss in seiner zweiten Steinbauphase Mitte des 14. Jahrunderts ausgesehen haben könnte, vermittelt das Modell:



Der Unterschied zum heutigen Bau ist sehr klar erkennbar, erinnert es doch noch mehr an eine Burg. Zwischen diesem Modell dem heutigen Schloss Rheydt standen noch drei weitere Bauphasen. Der wichtigste Umbau wurde im 16. Jahrhundert vorgenommen, als sich das Schloss im Besitz der Familie von Bylandt befand. Otto von Bylandt (um 1525 – 1591) beauftragte den Jülicher Baumeister Maximilian Pasqualini (1534 - 1572) mit den Veränderungen, die dem Schloss seine heutige Gestalt gaben. Er ließ das Herrenhaus zu einem repräsentativen Gebäude ausbauen. Dies war möglich geworden, weil die Verteidigungslinie auf vorgelagerte, den Gesamtkomplex umgebende Bastionsanlagen verlegt wurde. Das Herrenhaus verlor dadurch Teile seiner militärischen Verteidigungsfunktionund und konnte stärker unter ästhetischen und repräsentativen Gesichtspunkten gestaltet werden. Pasqualini nutzte diese Freiheiten um einen beeindruckenden Bau im Stil der italienischen Renaissance zu schaffen.

 

 

Einer der Wahlsprüche, die Otto von Bylandt an der reich gestalteten Fassade zum Innenhof anbringen ließ. Der Text lautet sinngemäß: Nach meiner Überzeugung hat nur der wirklich gelebt, der in seinem Leben namhafte Taten vollbracht hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach der Blütezeit unter Otto von Bylandt blieb das Schloss bis zum Ende des 18. Jahrunderts im Besitz der weitverzweigten Familie und kam im 19. Jahrhundert in bürgerliche Hände. Das Gebäude verfiel, abgesehen von einigen bewohnten Räumen, im Laufe der Jahre immer mehr. 1917 schließlich erwarb die Stadt Rheydt das Schloss und nutzte es in den oberen Etagen als Museum. Erdgeschoss und Kellergewölbe dienten dem Zweck städtischer Repräsentation.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden umfangreiche Nutzungsänderungen geplant und begonnen. 1940 lagerte die Museumssammlung ein. Die oberen Etagen sollten stattdessen zum Gästehaus der Stadt, vor allem als Wohnstätte für den gebürtigen Rheydter Reichspropagandaminister Joseph Goebbels umgebaut werden. In diesem Zuge überarbeitete der beauftragte Architekten Prof. Fahrenkamp auch die restlichen Innenräume des Schlosses mit viel Aufwand. Goebbels selbst besuchte das eigens für ihn renovierte Schloss zweimal in seinem Leben.


Eine Ratssitzung der Stadt im Jahre 1942 war die letzte belegte Tätigkeit im Schloss bis Kriegsende. Über die Nutzung oder auch Beschädigungen während der letzten Kriegsjahre finden sich heute keine Angaben mehr.
Nach dem Krieg wiederum fand schon 1946 die erste Kunstausstellung in den oberen Stockwerken des Schlosses statt. Von 1947 an erfolgten kleinere Umbaumaßnahmen bis schließlich 1949 mit der Ausstellung von erhaltenen Teilen der zuvor eingelagerten Sammlung Schloss Rheydt wieder Museum wurde.